Freitag, 1. Mai 2009
Bye Montréal
Zu Beginn eines solchen kleinen Abenteuers mag einem wohl so einiges in einem anderem Land merkwürdig, anders oder ungewohnt vorkommen. Ein Freund sagte dann aber einmal treffend: "Man ist erst dann richtig angekommen, wenn man nicht ständig Dinge mit Deutschland vergleicht". Und ich denke, daran ist etwas "Wahres". Als ich vorhin mein Zimmer aufgeräumt und vorallem ausgeräumt habe und mir dabei ein Block DIN A4 Papier in die Hände fiel, kam mir das doch deutlich merkwürdig vor, im Gegensatz zu dem etwas breiteren aber weit nicht so langem US Paper Format. Ist das jetzt ein Zeichen, dass ich dann bald in Deutschland alles mit Kanada vergleiche anstatt umgekehrt? Vielleicht ein bisschen, aber trotzdem freue ich mich schon riesig euch alle bald wiederzusehen.
Was ist passiert in meinen letzten Monaten? Na ja, eigentlich wisst Ihr ja schon alles aus diesem Block, zumindest all die großen Aktivitiäten die ich so unternommen habe, aber natürlich macht vor allem die kleinen "Events" oder alltäglichen Situationen den Großteil der Erlebnisse aus. Und die waren durchaus vielfältig, vielsprachig, neuartig, merkwürdig, interessant... auf jeden Fall bleibend.
Mit meinem Mitbewohner hatte ich tolle Abende hier in unserer kleinen WG verbracht, ob beim Kochen, Film schauen, Wii spielen oder auch diskutieren. Daher konnte ich es mir diese Woche nicht entgehen lassen, nochmals kurz zu einem Kurztripp nach Québec aufzubrechen, da er dort eine CD Veröffentlichung seiner Québecer Band in einer Kneipe dort hatte. Für mich hieß das, Montags mein Büro an der Uni räumen, abends mit der Mitfahrgelegenheit nach Québec. Mein Mitbewohner war schon dort und hat mich abgeholt. Dann haben wir einen kleinen Filmeabend hingelegt, bei dem ich traditionell das Ende nicht miterlebe. Ab nächsten Tag war er dann mit Proben beschäftigt und ich habe mir nochmals ein bisschen Québec angeschaut. Abends war dann die große Party mit vielen Leuten, guter Musik und zum Stolz der Musiker dem Fernsehen "Radio Canada". Dementsprechend wurde dann auch gebührend gefeiert. Übrigens: Die Band "The Merry Makers" gibt es schon seit vielen Jahren. Sie hatte früher viele Fernsehauftritte, Konzerte und daher großen Erfolg. Nach einer siebenjährigen "kreativen Pause", die von den meisten Musikern zur Familienbildung genutzt wurde, hat sie sich jetzt neu Formatiert mit meinem Mitbewohner Jean-Philippe als neuem Sänger. Mittwoch morgen um sieben ging es dann zurück nach Montréal, um anschließend eine Abschlussbesprechung mit meinen Profs zu meiner Studienarbeit zu haben. Das war dann auch mein letzter Gang in die Ecole Polytechnique.
Und was passiert jetzt mit mir? Na ja, ich will ja mal nicht in Trauer und Selbstmitleid versinken, denn es warten drei grandiose Wochen "British Columbia" auf mich. Morgens gehts nach Vancouver und dann werde ich mit meinem Vater zusammen die Rocky Mountains im Übergang zwischen Winter und Frühjahr erkunden.
Näheres würde ich sagen gibt es dann hinterher, wer will bei dem ein oderen anderem Tannenzäpfle zurück in Deutschland.
Donnerstag, 16. April 2009
New York
Los gings am Donnerstag abend am Busbahnhof in Montréal. Das Prinzip Busfahren funktioniert hier folgendermaßen: Man kaufe ein Ticket und komme so frühzeitig an den Busbahnhof, damit man sich in eine Schlange einreihen und hoffen kann, dass man einen Sitzplatz bekommt. Ganz so schrecklich ist es aber dann doch nicht, da die Busgesellschaften auch wissen, dass das lange Wochenende vor der Tür steht und daher einfach mal ein Vielfaches der normalen täglichen Anzahl an Bussen nach New York schicken.
Also haben Léo und Manon, zwei französischen Freunde sowie ich uns zwei Stunden vor Abfahrt um 21:00 in die ca. 150m lange kanadische Schlange (zweier Reihe ohne Drängeln !) gestellt und durften dann im zweiten Bus mitfahren. Nach einem Halt am Duty Free, einer ewig langen Prozedur an der Grenze, einem nächtlichen Zwischenstopp am unglaublich hässlichen Busbahnhof von Albany (NY) sind wir dann tatsächlich etwas müde so um halb sieben morgens in den Betonklotz-Busbahnhof von New York eingefahren. Fast schon etwas unpassend dazu war die Berieselung mit klassischer Musik. Danach einen etwas tollpatschigen müden Schritt vor die Türe, einmal um die Ecke und wir standen mitten auf dem menschenleeren Times Square. Das ist dann wie einmal in eine andere Welt eintauchen, inmitten von Wolkenkratzern und mit blinkender Werbung vollgetafelten Hochhäusern und schnell wird klar: wir sind tatsächlich da.
Karfreitag, 1. Tag
Jetzt muss es schnell gehen für angehende Städtetouristen wie uns, denn die Gunst der "menschenleeren" Morgenstunde will ausgenutzt sein. Also schnell zum Starbucks, Kaffee und spärliches Frühstück und dann mit unserem Hab und Gut bepackt die Sightseeing-Tour beginnen. Ein Blick in den Reiseführer zeigt einem die wichtigsten Dinge, die man unbedingt gesehen haben muss und so rattert man als kleiner Tourist die Liste ab: Times Square, U-Bahn, Empire State Building (um 8:30 schon eine 200m Schlange außen und das gleiche drin - als vorbeigelaufen), Wall Street, Börsenbulle..., vom BurgerKing auf den Ground Zero klotzen und durch aus allen möglichen Winkeln durch verdreckte Scheiben fotografieren und irgendwann standen wir dann schon an der Südspitze Manhattans. Den Fähranleger zur Freiheitsstatue und Ellis Island haben wir auch schnell gefunden und die geringe Menschenmenge am Kassenhäuschen gleichmal zum Kauf genutzt. Doch das wahre Tourist-Sein müssen wir noch üben, denn die eigentliche Menschenschlange zur Fähre gegen 9:30 morgends haben wir erst dann gesehen. Der Entschluss den Touristenstatus kurzzeitig aufzugeben und uns dort nicht einzureihen war dann im deutsch-französischen Gemeinschaftsabkommen schnell geklärt.
Langsam hat sich dann etwas Müdigkeit breit gemacht und ein kleiner Zwischenstopp im Minipark vor dem US Customs-Gebäude neben dem Börsenbullen, wo sich langsam die Japaner in eine Schlange einreihten um der Reihe nach ihre Herzallerliebste mit dem bronzenen Koloss zu fotografieren und andere sich eher für das Hinterteil entzücken können, war überfällig. Anschließend haben wir uns dann auch wieder unserem eigentlichen Zweck gewidmet und haben uns nach der üblichen Sicherheitskontrolle ein Indianermuseum im US Customs-Gebäude angeschaut, umsonst versteht sich. Dort habe ich dann festgestellt, dass Lacrosse Indianischer Herkunft ist und schnell ein Beweisfoto geschossen (für Alex ;) ).
Langsam haben ich dann aber doch gemerkt, dass ich die ganze Nacht in einem Greyhound-Bus saß und den Herbst und Winter eher damit verbracht habe auf weichen Moosböden oder im Schnee herumzuspatzieren anstatt den Stop&Go-Asphalt-Städte-Laufstil zu trainieren - und den beiden anderen ging es nicht besser. Daher ging es dann erstmal zum CheckIn ins Hostel nach Harlem und für ein Nickerchen ins Bett.
Abends ging es dann in Richtung Greenwich-Village um ein paar Bars unsicher zu machen, wobei die New Yorker mit ihren netten (gehobenen) Preisen sicherstellen, dass auch jeder problemlos wieder nach Hause findet. Wir wollten aber noch ganz klug sein und New York bei Nacht und ohne Anstellen vom Empire State Building aus ansehen. Der Versuch hat auch wunderbar geklappt, den Grund konnten wir dann nach passieren der Kasse und beim Betreten der Plattform aus feststellen: dichte Nebelwolken genau auf Höhe des 86. Stockwerks. Wie dumm nur dass das einem unten niemand so richtig sagt und unser Verstand auch nicht mehr so auf Hochtouren war, um bereits vor dem Gebäude über solche Dinge nachzudenken. Na ja, immerhin hat Manon kurz darauf 20$ gefunden, für sie war also der Eintritt wieder drin.
Am Samstagmorgen war in unserem Zehnbett-Zimmer schon relativ früh Gewuseln angesagt, denn der Durchschnittstourist mit wenig Zeit musste wieder auf die Jagd nach Hochhäusern, Museen und Läden gehen... Vier französische und zwei deutsche Ohren haben aber dann bereits deutliche Regengeräusche auf dem Dach vernommen, woraufhin sich sechs Augen verschlafen angeschaut und die drei Studenten aus Montréal sich einstimmig zum Weiterschlafen entschieden haben. Irgendwie wollte der Regen den ganzen Tag nicht so recht aufhören, dennoch sind wir dann auch mal aus dem Haus gekommen um uns ein bisschen in Upper East Village, dem Museen und Villenviertel im Osten vom Central Park umzusehen. Regenwetter = Museenwetter, das haben wir dann schnell gemerkt, als wir am Guggenheimer Museum oder MET vorbeigelaufen sind. Das MOMA haben wir dann gar nicht erst probiert (was ich jetzt alles nicht so furchtbar schlimm fand), die meisten anderen Touristen haben sahen das etwas anders und haben sich brav mit Regenschirmen in die Schlange gestellt. Die Regenschirme konnte man urplötzlich an jeder Ecke kaufen, abends lagen dann die meisten wieder kaputt an der Ecke wo man sie morgens erstanden hat, immer diese Einweggesellschaft. Den Verkäufer freut es.
Ostersamstag, 2. Tag
Als sich dann der Regen irgendwann gelichtet hat, sind wir weiter durch einige Viertel wie Chinatown, Little Italie, East Village, SoHo... gelaufen und haben uns von den vielen Eindrücken berieseln lassen während die Füße sich langsam wieder zum Streik vorbereitet haben. Zwischenzeitlich haben wir auch mal kurz unsere pazifistische Einstellung abgelegt und sind zu einem ehemaligen Flugzeugträger, der zum Militärmuseum umfunktioniert wurde, an den Hudson River gelaufen, doch 15$ war uns der Spaß dann doch nicht wert und somit gab es denn Koloss plus U-Boot nur von außen. War trotzdem nett. Abends wollten wir dann uns mal etwas zu den Einheimischen gesellen und sind in eine Bar nach Harlem gefahren, in der Jazz gespielt wurde. Das war wie eine kleine Welt für sich. Vorwiegend ältere Herren mit wohl karibischen Wurzeln saßen an der Bar und haben köstliche Rumgetränke genossen während eine durchaus gute Jazz-"Combo" die passende Stimmung dazu lieferte.
Am Sonntag morgen sind wir dann bereits um kurz nach 7 aus dem Hostel gegangen um endlich unsere Karte für die Fähre zur Freiheitsstatue und dem Einwanderermuseum auf Ellis Island einzulösen und nach zwei Tagen Städtetrip hatten wir auch den richtigen Riecher: Wir saßen nach 5min auf dem Schiff, umgeben von Deutschen (immer diese Disziplin). Es war ein wunderschöner Sonnentag mit blauem Himmel, aber sehr kalt und windig. Dennoch hat mich die Freiheitsstatue und der Blick auf die Skyline sehr beeindruckt. Ellis Island direkt nebenan war die Insel, auf die alle Einwanderer von den Dampfschiffen zunächst gebracht wurden. Dort gab es dann die Einwanderungsprozedur mit medizinischer Untersuchung und der Überprüfung der Identität bevor dann die meisten an Land durften, einige mussten aber auf Kosten der Reedereien wieder in ihr Ursprungsland zurückfahren. Auf dieser Insel ist mittlerweile ein Museum dazu, welches sehr interessant ist. Von der Außenanlage hat man einen atemberaubenden Blick auf Manhattan und New Jersey und dort steht auch die gigantische Tafel mit all den Namen der Einwanderer, vorausgesetzt jemand hat die Eingravierung bezahlt ;) Das gute Wetter hat uns direkt anschließend dazu bewogen nach Brooklyn zu fahren um über die vor 100 Jahren größte Hängebrücke der Welt nach Manhattan zu laufen. Schließlich haben wir dann unseren müden Füßen im Central Park ein wenig Erholung gegönnt.
Ostersonntag, 3. Tag
Für mich war anschließend der sehr gelungene Kurztrip in das Land mit den grob 50 Sternen beendet und ich habe mich abends wieder in den Betonbunker begeben um dort nach dem Zufallsprinzip den richtigen Bus nach Montréal aus einem der 200 Bussteige ausfindig zu machen, denn Anzeigetafeln gibt es irgendwie nicht und die Infostände waren alle nicht besetzt. Wie gut das Montreal so beliebt ist und man sich daher einfach mal dort umhören kann, wo bereits eine beträchtliche Menschenschlange zusammengekommen ist. Schließlich hat mich dann Michael, der generell seine Ansprachen im Bus mit "Hey Folks" begonnen hat, nach Montréal zurückgebracht. Meine zwei Freunde sind noch einen Tag länger geblieben, höchstwahrscheinlich um darauf anzustoßen, dass die Freiheitsstatue von ihren Vorfahren aus Frankreich den New Yorkern geschenkt wurde ;)
Samstag, 21. März 2009
Skifahren
Beim ersten Mal Anfang März waren wir in einem kleinen Skigebiet im Südosten Richtung Sherbrooke. Dabei haben wir schön den ersten Frühlingsskifahrtag im Jahr erwischt mit schönem Wetter, warmen Temperaturen und etwas weichem Schnee. Aber trotzdem hat das alles sehr viel Spaß gemacht.
Eine Woche später sind wir dann zum Mont Tremblant gefahren, dem "Edelskigebiet" im Osten Kanadas, dort wo sich die Prominenz ein Hüttchen kauft zum Golf spielen und Skifahren, erreichbar durch einen eigenen Flughafen. Mont Tremblant ist dementsprechend verdammt teuer aber mit ungefähr 11 Liften das größte Skigebiet in der ganzen Region, und es geht sogar auf 900m hinauf, rekordverdächtig. Wir hatten nochmals einen sehr schönen, sonnigen Tag erwischt mit entsprechend warmen Temperaturen. Erstaunt hat mich die Tafel an den Talstationen der Lifte, dass oben über 4m Schnee liegen sollen. Entweder die Messung war nicht ganz korrekt oder unter dubiosen Umständen oder es handelt sich wohl eher um die im gesamten Winter gefallene Menge.
Um nochmals auf meinen Artikel mit den Malern zurückzukommen. Auch am Mont Tremblant sind uns mal wieder Jobs aufgefallen, die irgendwie den Beisatz "Arbeitsbeschaffungsmaßnahme" verdient hätten. Es ist ja schön, dass hier so viele Leute eine Arbeit haben, aber das macht sich eben dann auch bei den Ticketpreisen deutlich bemerkbar. An jedem Lift standen 3-4 Leute mit kleinen Handscangeräten und haben das Ticket von jedem Einzelnen abgescannt sobald er mit dem Lift fahren wollte. Ein Drehkreuz, in das der Scanner integriert ist, wäre sicherlich etwas günstiger gewesen...
Jetzt weiß auch Montréal, dass...
...die schmalste Straße der Welt in Reutlingen ist, also für Kanadier in Deutschland ;) Vorher bin ich mit der Metro heimgefahren. Auf der elektronischen Werbe- und Informationstafel in der Metro läuft auf einmal der Spruch:
"La rue la plus étroite: Spreuhausstraße, Allemagne, 31cm".
Diese "Sensation" scheint also die Runde zu machen, bis hin zu den äußerst informativen Laufschriften in der U-Bahn.
Donnerstag, 12. März 2009
Wir stellen ein!
Die Ecole Polytechnique sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt zur Unterstützung des universitätseigenen Malerteams eine/n
Malergeselle/in
Das Malerteam der Ecole Polytechnique ist neben der Beteiligung an internen Umbaumaßnahmen hauptsächlich damit betraut, das Image als saubere und gepflegt Universität aufrechtzuerhalten. Damit schaffen Sie einen Ort, an den die Leute gerne wieder kommen und mit dem sie sich identifizieren können.
Der Campus besteht im wesentlichen aus zwei großen Gebäuden, die gemäß ihrer Bauzeit innen mit zwei verschiedenen Farbmuster versehen sind. Sie sollten sowohl Umgang mit Farbtönen wie Gelb, Ocker, Grau, Weiß und ihren entsprechenden Mischungen als auch mit etwas knalligeren Farben wie Orange, Rot, Grün oder Blau haben. Neben Erfahrung in der eigentlichen Malerarbeit, sollten Sie vor allem in der Lage sein die Farben nach der geheimen PolyNorm anzumischen, so dass die neuen Farben sich harmonisch in ihre Umgebung einpassen. Des weiteren wird ein Großteil Ihrer Arbeit ein detektivisches Geschick voraussetzen. Ausgestattet mit Lupe und Fernglas ist es wichtig jeden kleinsten Kratzer an Türrahmen, Wänden oder Vitrinen aufzuspüren und zu markieren. Ihre gute Kommunikationsfähigkeit ermöglicht es anschließend, dass Sie im Team die Mängelliste abarbeiten und die entsprechenden Stellen ausbessern werden.
Gerade für Sie als Neueinsteiger im Team wird es wichtig sein, möglichst penibel diese "Fehlerlokalisierung" durchzuführen, um aus Gründen der Jobsicherung genügend Arbeit für den Tag zu haben.
Ein weiterer wichtiger Punkt ihrer Tätigkeit bei uns wird sein, die "Baustellenbereiche" ordentlich und fachgerecht abzusichern und gegenüber Mitarbeitern und Studenten kenntlich zu machen, denn es kann nicht erwartet werden, dass ein Student die von ihnen in liebevoller Kleinarbeit ausgebesserten Stellen auch als solche erkennt.
Bei Interesse Ihrerseits besteht in Anlehnung an die eigentliche Funktion einer Universität außerdem die Möglichkeit, sich in der Forschung zu betätigen. Zur Fortsetzung unserer Arbeit wird es immer wichtiger zu wissen, in wiefern sich mehrere Farbschichten übereinander auf die Stabilität und Farbtreue der Wände, Türen oder Fenster auswirken.
Wir bieten:
- einen angenehmes Arbeitsklima
- einen Job, den sie selbst krisenfest machen können
- einen sowohl bunte als auch "triste" Arbeitsumgebung
- eine Arbeitsstelle über den Dächern Montréals
- eine verantwortungsvolle Arbeit: Sie machen das Image der Uni!
Wir verlangen:
- engagiertes Arbeiten
- detektivisches Geschick
- ein Bewusstsein über die Wichtigkeit ihrer Arbeit
- die Fähigkeit sich selbstständig ihre Betätigung zu suchen
- eine Kompetenz beschäftigt auszusehen
- auf Abruf stets für die Uni bereitzustehen
[...]
So oder ähnlich könnte wohl die Stellenbeschreibung des Malers hier aussehen, zumindest würde ich die Arbeit aus meinen Beobachtungen so beschreiben [ABM?]. Ein Beitrag am Rande.
Donnerstag, 5. März 2009
Tourenskilaufen - 22.02-25.02
Nachdem wir Sonntag morgens bei Schneefall mit dem Bus über Québec zu dem Park gefahren sind, haben wir sofort unsere Skier angeschnallt und wollten das Abenteuer beginnen. Nach 200 m kam dann allerdings das Häuschen der Parkverwaltung in unser Blickfeld, so dass wir erst einmal überlegen mussten, ob wir bereit sind auf komische Fragen zu antworten und für unseren Aufenthalt zu zahlen oder doch lieber einen anderen Weg in den Park suchen sollten. Der Mitarbeiter dort kam uns aber zuvor, nachdem er uns ein paar Minuten beoachtet hat (und ihm wohl sehr klar war, was da vorging), und hat uns schließlich zu sich "bestellt". Langsam aber sicher mussten wir dann aber die Katze aus dem Sack lassen und unsere wahren Ziele offenbaren. Begeisterung hat es dabei bei dem Typ nicht unbedingt ausgelöst (denn Wintercampen draußen ist eigentlich nicht vorgesehen) und da er noch recht jung und vorsichtig war, konnten wir ihm dann eine Ewigkeit von draußen zusehen, wie er mit seinem Chef telefoniert, unsere Daten durchgeben... hat. Nachdem wir nun schon fast eine ganze Stunde am Park waren, hat der Chef uns dann eine Sondergenehmigung (letzte Minute, auf eigene Gefahr) ausgestellt und wir durften los. Die Sonne war schon fast untergegangen und somit sind wir nur noch gut 3 km zu einem nahe gelegenen Campingplatz im Park gelaufen, wo wir dann unser Nachtlager aufgeschlagen haben.
Im Haupttal des Parks verstreut sind kleine Campingplätze oder auch Hütten mit rustikalen, aber sehr sauberen, Klohäuschen. Im Winter sind eigentlich nur die Hütte zu mieten. Da wir 1-1.50m Schnee hatten, war die Aktion "Nachtlager aufschlagen" durchaus etwas komplizierter:
Zunächst haben wir zu viert mit unseren Skien versucht eine Fläche für Zelt und Essensgelegenheiten zu verdichten. Anschließend haben wir mit Schaufeln ein paar kleine Gräben ausgehoben, die immer ungefähr bis zum Bauch gingen, so dass wir Bänke und Tische zum Kochen hatten. Anschließend sind wir oft im Wald noch mit Skiern Holz holen gegangen, um später noch ein Feuer anmachen zu können. Während dessen wurde dann auch noch das Zelt aufgestellt. Irgendwann konnte man dann die Skier ausziehen und vorsichtig versuchen, auf der verdichteten Fläche zu laufen, oder bessern in den Gräben. Das ist ein bisschen wie auf einer Insel eingeschlossen sein, sobald man die verdichtete Fläche verlässt sinkt man ziemlich tief in den Schnee ein. So musste auch das stille Örtchen durchweg mit Skiern "angefahren" werden.
Da Québec (und auch dieser Park) nicht besonders bergig sind, ist Tourenskilaufen eher mit Langlaufen in Tiefschnee als mit Tourenskifahren in den Alpen zu vergleichen. Zwei von meinen drei Mitstreitern sind ziemlich geübte Langläufer, die kurz davor in zwei Tagen 160 km nach Ottawa gelaufen sind, und haben somit ein ordentliches Tempo vorgelegt. Für mich, der nicht wusste, dass es Muskeln zum Langlaufen gibt, war das dann durchaus anstrengend mit der Truppe mitzuhalten. Die unweigerliche Folge waren: Erhebliches Muskelkater und vor allem nasse Klamotten. Auch bei -10° sind wir teilweise nur im Pulli und einer dünnen Jacke gelaufen, so sehr mussten wir schwitzen.
Leider besteht allerdings kaum eine Möglichkeit, die nassen Socken, T-Shirts... wieder trocken zu bekommen, somit bestand die einzige Möglichkeit daraus, seinen Schlafsack nachts noch mit feuchten Socken (die riechen auch so gut), T-Shirts oder auch mal ein paar Innenschuhen der Skistiefel zu teilen. Gerade beim Wintercampen muss man sehr voraussichtig planen, um am nächsten Morgen nicht eine böse Überraschung zu erleben.
Am Montag morgen hat es dann noch leicht geschneit, in den darauffolgenden Tagen bekamen wir aber nur noch blauen Himmel und Sonnenschein spendiert.
Zunächst sind wir dann ungefähr 10km einer Straße entlang eines Flusses in den Park gefolgt und sind dann in einen Seitenarm des Flusstales abgebogen. Nach unserer Karte (aus dem Jahr 1968) musste in 5km eine Brücke kommen, durch die wir den Seitenfluss überqueren konnten. Nach ca. 2km war dann auf einmal der Weg gesperrt und ein Weiterkommen war eher mit sich durch die Büsche schlagen zu vergleichen. Die Mühen haben sich leider nicht gelohnt: Die Brücke war nur noch ein Fundament auf beiden Seiten ohne die eigentliche Brücke. Also sind wir teilweise wieder zurückgelaufen und haben unser Nachtlager aufgeschlagen. Dieses Mal hatten wir noch ca. 2h Licht und konnten somit ein Quincy (Schneehöhle) bauen. Ich glaube, ich habe das schon einmal beschrieben in dem Beitrag zum NewMemberWeekend im Januar. Zunächst haben wir eine Stunde Schnee aufgeschüttet und dann erstmal eine bis zwei Stunden gewartet, damit dieser Berg sich setzen kann. Anschließend haben wir ihn ausgehöhlt, so dass wir zu viert drin Schlafen konnten. Die Decke haben wir dabei besonders dünn gehalten, damit wir im Falle eines Einsturzes nicht komplett verschüttet sind. Das ganze hat dann gute 3h gedauert. Die Nacht war aber die angenehmste Nacht überhaupt. Trotz Temperaturen bei -10° oder -15° war es innen relativ warm und gemütlich.
Am Dienstag wollten wir dann unsere Quer-Feld-Ein Taktik intensivieren und auch mal Skifahren. Also haben wir fast den ganzen Tag versucht einen Hang durch den Wald hochzulaufen, um dann idealerweise über eine offene Fläche wieder abfahren zu können. Das ganze war dann doch etwas anders: Man brauchte gut 10min für 100m Strecke, den Wege gab es, waren aber nicht sichtbar. Überall umgestürzte Bäume, die hin und wieder auch mal aus dem Schnee rausschauten. Kleine Tannwäldchen mit dichtem Gestrüpp. Unüberwindbare Minifelsen... Eine Stunde vor Sonnenuntergang waren wir immer noch nicht oben, meine Kräfte schwanden deutlich und der offene Hang zum Abfahren war nicht in Sicht. Schließlich haben wir demokratisch (3:1) abgestimmt, dass wir jetzt den Rückweg antreten, um nicht komplett mit Stirnlampen wieder runterfahren zu müssen. Das Runterfahren ging dann auf dem gleichen Weg wie wir gekommen sind, doch mit Skiern, die eine ähnliche Bindung wie Langlaufski hatten, war ein normales Skifahren nicht möglich und es war sehr abenteurlich. Jeder Ast am Wegesrand war sehr nützlich um seine Geschwindigkeit zu kontrollieren. Dennoch ist jeder von uns mehrmals deutlich in den Tiefschnee abgestürzt. Dann heißt es erstmal Rucksack ausziehen und irgendwie versuchen wieder aufzustehen, Rucksack auf und weiter. Mit Stirnlampen sind wir dann schließlich wieder unten angekommen und haben in der Nähe die dritte Nacht bei -20° verbracht.
Am nächsten Tag mussten wir dann wieder zum Parkeingang zurücklaufen. Das waren so ungefähr 15km. Dort angekommen, haben meine Beine dann angefangen zu rebellieren und sich zu beschweren, dass ich ihnen drei Tage feuchte Socken, einen schweren Rucksack und unbekannte Bewegungen spendiert habe. Aber die Rache war die Tage danach noch deutlich zu spüren.
Samstag, 28. Februar 2009
Ölsand - Ölboom und Umweltsünde in Kanada
Wen das ganze interessiert, findet hier weiter Informationen:
http://abenteuerwissen.zdf.de/ZDFde/inhalt/7/0,1872,7527367,00.html
Der 30min-Videobeitrag kann in der ZDF-Mediathek angeschaut werden. Dazu entweder auf obiger Seite den Link zu der ZDFmediathek suchen mit dem Film "Ölsand - Kanadas schwarzes Gold - Sendung vom 25.02.2009" oder direkt in der ZDFmediathek danach suchen (www.zdf.de -> mediathek).
Samstag, 14. Februar 2009
Quebec, 7-8. Februar, Karneval
Relativ untypisch für Québec war das sehr milde Wochenende, mit Regenfall anstatt Schnee. Gerade zum Karneval ist in Québec fast alles ausgebucht und auch wir hatten Mühe noch kurzfristig ein Hostel zu finden, dass noch frei Betten hatte. Gebucht hatte ich Betten in einem Zehnerzimmer, bekommen haben wir ein "Private Room" in einem zusätzlich angemieteten Appartment mit riesigem Wohnzimmer und so gut wie neuer Küche. Wenn wir noch mehr Zeit mitgebracht hätten, dann hätten wir sogar die kleine Sauna im Bad benutzen können. Doch wir sind stattdessen die Stadt erkunden gegangen...
Québec liegt wie Montréal direkt am St. Lorenz-Strom, nur eben etwas weiter nörlich und näher am Atlantik. Der St. Lorenz Strom ist dort auch noch mit wesentlich mehr Eis bedeckt als in Montréal. Eisbrecher halten ständig eine Fahrrinne frei, damit die Binnenschifffahrt zu den Großen Seen aufrecht erhalten werden kann. In Québec selbst kämpft sich eine Pendelfähre zwischen den beiden Ufern durch das Eis. Das alte Québec ist ähnlich wie das alte Montréal durch alte Steinhäuser und verwinkelte Gassen geprägt. Oberhalb der "Altstadt" (Québec feiert gerade die 400-Jahr-Feier), tront das große und majestätische Hotel "Chateau Frontenac", welches aber nicht ganz so alt ist.
Zu Karnevalszeiten wird in Québec einiges geboten. Jeden Tag ist ein anderes Programm, als wird dort waren, lief gerade ein Seifenkistenrennen in den alten Gassen von Québec, auf einem großen Platz konnte man eine kleine Hundeschlittentour machen, mit seinen Freunden in Rafting-Booten den Hang hinunterfahren, Tanzgruppen auf einer Bühne zusehen oder einfach Schnee- und Eisskulpturen bewundern, die dort im Rahmen eines internationalen Wettbewerbs gerade entstanden. Lustigerweise war beispielsweise eine Delegation aus dem schneeverwöhnten Mexiko dabei.
Abends war dann im Norden von Québec, wo leider nicht mehr das Altstadtflair zu finden war, sondern vielmehr nordamerikanische Einheitsholzhäuser, der Faschingsumzug. Meine Erfahrungen in Sachen Faschingsumzüge sind zwar deutlich begrenzt und meine etwas angeschlagene Gesundheit haben auch bei mir keine Höchststimmung zustande bringen lassen, aber irgendwie ging es allen Menschen um mich rum so. So standen alle eben im Nieselregen und haben auf den Umzug gewartet. Dieser kam dann auch mit durchaus netten Umzugswagen und ein paar Tanzgruppen. Leider war nicht besonders viel Musik dabei und die richtigen Stimmungsmacher habe ich auch etwas vermisst. Als dann ganz am Ende das Maskottchen vom Karneval, der Bonhomme de Carneval, aufgetaucht war, sind alle Leute so schnell es geht nach hause gegangen. Eine etwas merkwürdige Veranstaltung.
Am nächsten Morgen sind wir uns dann die großen Wasserfälle "Chute de Mont-Montmorency" in der Nähe von Québec anschauen gegangen. Im Sommer sind diese schon sehr beeindruckend und bilden im Prinzip die letzte Hürde eines Flusses bevor er in den St. Lorenz Strom mündet. Aber im Winter bildet das Schauspiel aus Schnee, Eis und Wasser nochmal eine ganz andere Dimension. Zunächst kann man sich über eine Brücke die Fälle von oben anschauen. Das Wasser ist links und rechts von Eismassen eingeengt und fällt nie wie im Sommer in einen großen See, sondern vielmehr in ein riesiges Loch, das von einer 3-4m dicken Eisschicht gesäumt ist. Der gesamt See unterhalb ist zugefroren und die Leute laufen darauf direkt zu den Wasserfällen. Über einen abenteuerlichen Abstieg auf nicht geräumten Treppen sind wir dann auch auf den See gegangen und konnten damit erst ein weiteres Zeugnis des Winters bestaunen. Die Gischt des Wassers bildet sich im Flug zu feinen Schneekristallen und setzt sich noch vor dem großen Loch ab. Im Lauf der Zeit hat sich somit ein 10-15m Schneeberg zwischen den Leuten und dem Wasserfall gebildet. Wenn man dort hinaufsteigt, wird man doch sehr sehr nass.
Anschließend sind wir nochmal zurück nach Québec, denn das große alljährliche Kanurennen über den St. Lorenz Strom hat an diesem Nachmittag stattgefunden. Einige unerschrockene junge Frauen und Männer, warm angezogen und mit Spike-Schuhen ausgestattet mussten ihr Kanu mehrmals zunächst an der Hafenpromenade entlang, dann über den Fluss hinüber ans andere Ufer und wieder zurück zum Ausgangspunkt befördern. In eisfreien Zonen konnten sie rudern, im Wasser-Eis-Gemisch sind sie dann mit einem Bein ausgestiegen und haben das Kanu auf dem Eis nach vorne geschoben. Das ganze muss sehr kühl und unglaublich anstrengend gewesen sein.
Nachdem wir uns das Schauspiel eine Weile angeschaut haben, sind wir dann langsam zurück nach Montréal gefahren.
Donnerstag, 29. Januar 2009
Iceclimbing 24-25.01.09
Ca. 1 Fahrstunde nördlich von Montréal ist dafür eine perfekte Möglichkeit mit zwei zugefrorenen Wasserfällen, einem kleinerem und einem ziemlich hohen. Ausgestattet mit den wärmesten Kleidern, die in meinem Schrank zu finden waren (-22°C Außentemperatur, gefühlt -30°C), Steigeisen, einem Helm und zwei Pickeln an den Händen ging es dann los, um die teilweise fast senkrechten Eiswände hochzuklettern.
Meinen ersten Kletterversuch musste ich nach ca. 10min abbrechen, da ich aufgrund meiner dicken Handschuhe beim Festklammern an den Pickeln einen durchaus schmerzhaften Krampf in beiden Händen hatte. Beim nächsten Mal habe ich aus den Fehlern gelernt und eine Schicht meiner insgesamt dreischichtigen Handschuhe zum Klettern entfernt und außerdem alle paar Meter die Hände gelockert und ausgeschüttelt. Wenn man dann oben auf dem Wasserfall angekommen ist, dann ist es auf jeden Fall ein schönes Gefühl nach unten zu blicken und zu sehen, was man geschafft hat.
Die eigentlichen Dimensionen und vor allem die Steilheit der Eiswände kommt meiner Meinung nach auf den Fotos nur schwer zur Geltung, es ist tatsächlich noch beeindruckender wenn man wirklich davorsteht. Ich bin nur an der etwas kleineren Wand geklettert, die große Wand, von der ich keine Fotos habe, ist tatsächlich fast senkrecht und geht ca. 20-30m in die Höhe. Respekt wer es bis oben hin geschafft hat, das waren dann nur diejenigen, die schon etwas Übung im Eisklettern hatten.
Montag, 26. Januar 2009
Newmember Weekend MOC,17.-18.01.09
Unsere Hütte bestand aus einem grossen Raum mit Betten am Rand und einem grossen Tisch und einem offenen Kamin in der Mitte. Daher noch eine kleine Küchenzeile. Man sollte eben abends nicht allzu müde sein oder schlafen können wie ein Murmeltier, wenn man zusammen einen grossen Raum teilt. Ich hab mich dann für die erste Variante entschieden.
Aber langsam, von Anfang: Zunächst mal haben wir Samstag morgens versucht ein Quincy, eine Art Iglo aus Schnee zu bauen, in dem man trotz frostigen Aussentemperaturen angenehm schlafen sollte. Ausprobiert haben wir es allerdings nicht. Das Quincy ist ein riesiger Schneehaufen, den man anschliessend von Innen aushoehlt, wobei der Eingang so klein wie möglich gehalten werden soll.
Mittags haben wir dann alle zusammen ein äusserst anstrengendes Spiel im Schnee gespielt, wobei bei diesen Schneehoehen eher von Schwimmen oder Robben als von Rennen die Rede sein kann. Man kann sich auch nie sicher sein, ob unter der Schneedecke ein Baumstamm liegt, oder einer kleiner Baum waechst, oder ein Graben verläuft, sollte es so sein, dann steckt man eben kurz mal bis zur Brust drin. Gut für die Gegner.
Anschliessend waren alle äusserst hungrig, somit sind wir zurück zur Hütte und haben den gemütlichen Teil des Abends eingeleitet.
Am Sonntag früh ist dann ein Teil von uns bei Schneefall mit den Schneeschuhen zum Bushwalking aufgebrochen. Alle im Gänsemarsch bahnen sich einen Weg über Seen, durch Wälder, die Böschung hoch oder runter und sollte man auf einen Weg treffen, dann möglichst einmal kreuzen und weiter in den Schnee. Wer ganz hinten läuft hat den etwas einfacheren Part, dann ist der Schnee nämlich schon etwas komprimiert. Wer vorne läuft hat den anstrengensten aber auch den lustigsten Job. Trotz Schneeschuhen sinkt man ersteinmal grob 30-40cm ein und beginnt den anderen einen Weg zu bahnen. Das ist dann ein bisschen wie Geschenke auspacken, man weiss nicht so richtig, was einen erwartet. Ein kleiner Bachlauf, ein Loch, in dem der Körper halb drin steckt oder irgendwelche Büsche, die sich einem in den Weg stellen. Insgesamt: Ein grosser Spass.
Sonntag, 11. Januar 2009
Weihnachtsferien

Die Weihnachtsfeiertage haben wir ruhig in Montreal verbracht und mein Magen wurde verwöhnt: Selbst Spätzle und Zutaten zum Gulasch wurden aus Deutschland eingeflogen.
Am 26. Dezember ging es dann mit einem Mietwagen los Richtung Westen, zunächst haben wir aber doch ein bisschen gebraucht, um das Auto aus der Parklücke auf die Straße zu bringen, denn in den Tagen davor hat es etwas geregnet und über Nacht hat sich dann rund um das Auto ein schöner Rand aus Eis und Schnee gebildet. Mit der Hilfe eines freundlichen Kanadiers (LKW-Fahrer von Beruf) gelang es dann schließlich mit vielen durchdrehenden Reifen und festem Anpacken unseres "Plastikautos" dieses von der Stelle zu bewegen.
Unser erster Stop (abgesehen von diversen "Tim Hortons", "McD's"...) war dann morgens früh um 10:00 in Ottawa, der Hauptstadt Kanadas, an der Grenze zwischen Ontario und Québec, also französisch- und englischsprachigem Kanada - der Fairheit zuliebe.
Ottawa war an diesem Feiertag, zu der Uhrzeit und den Temperaturen wie ausgestorben. Wir haben uns dann schnell den Parlamentshügel und das Parlament angeschaut und sind dann auch relativ schnell weitergefahren. Normalerweise ist Ottawa im Winter bekannt für seine mehrere Kilometer lange Natureisbahn auf dem Rideau-Kanal, mit Verkaufsbuden am Rand. Aufgrund des bis dahin sehr unstabilen Wetters mit regelmäßigen Regentagen war das Eis jedoch noch nicht fest genug. Ich denke das sollte sich mittlerweile geändert haben, in Montréal steigt das Thermometer nicht mehr über -5°C.
Anschließend sind wir weiter Richtung Nordwesten gefahren. Unser Ziel war der Algonquin Nationpark, einer der bekanntesten Nationparks Kanadas mit mehreren tausend Seen. Vor allem im Sommer ist aufgrund der Nähe zu Toronto (200km südlich) dort reger Betrieb mit Kanufahrern und Wanderern.
Im Algonquinpark haben wir für ein paar Nächte ein wunderschönes Hostel im rustikalen Holzhausstil mit einer sehr gemütlichen Lounge gebucht. Geplant waren Schneeschuhwanderungen und eine halbtägige Schlittenhundetour. Leider hat es dann erstmals ein Tag komplett durchgeregnet, so dass wir nur eine kleinere Tour unternehmen konnten. Am darauffolgenden Tag hat dann ein starker Sturm eingesetzt, so dass wir auch dort eher das Sofa in der Lounge und ein gutes Buch vorgezogen haben, lediglich zu einer kleinen Minischneeschuhtour haben wir uns in den Park getraut. Schließlich wurde aufgrund des schlechten Wetters unsere Schlittenhundetour noch um zwei Tage verschoben, so dass wir den Aufenthalt im Algonquin Park verlängert haben. Glücklicherweise, denn in den nächsten Tagen hatten wir herrlichen Sonnenschein und konnten die Schneeschuhtouren genießen. Außerdem wäre es äußerst schade gewesen, die Schlittenhundetour ausfallen zu lassen, denn sie war doch eines der Highlights unserer Tour. Wir hatten zu zweit einen Schlitten mit sechs Hunden. Einer saß vorne im Schlitten und einer spielte den "Musher". Unsere Aufgabe war weniger das Lenken, aber vielmehr Bremsen bei Talfahrten und leichte Schiebehilfe, wenn es bergauf ging. Allerdings war unser Guide doch etwas schwerer als wir, somit waren wir eigentlich mehr mit Bremsen als Anschieben beschäftigt.
Danach sind wir am 30.12.08 direkt weiter nach Toronto gefahren, wo wir bei Diana und Markus (meinem Stuttgart Kollegen in Montreal) schlafen konnten. Am nächsten Tag ging es erst einmal auf Stadtbesichtigung. Nicht fehlen dürfen dabei der "Kensington Market" mit seinem Stuhl und dem Globus als Symbol und Chinatown. Der Kensingtonmarket ist eine Sammlung günstiger, kleiner Läden, in denen man fast alles bekommt, vor allem Klamotten. Wenn dann noch ein Ramschartikel fehlen sollte, dann findet man diesen in Chinatown. Weiter ging es dann in Richtung Stadtzentrum und aufgrund der unangenehmen Außentemperaturen relativ schnell in das Eaton Shopping Center. Für die Mädchen ein Paradies, für die Jungen eine Möglichkeit entspannt einen Kaffee zu trinken. Danach sind wir alle zusammen noch auf den CN Tower, einst höchsten Turm der Welt, gefahren. Von dort oben hat man hinter dicken Glasscheiben und einer sehr warmen Heizung einen wunderbaren Ausblick über Toronto, die Inseln davor und natürlich den riesigen Lake Ontario, erst Recht bei dem tollen sonnigen Wintertag. Die Zeit bis zum Sonnenuntergang haben wir dann vorwiegend mit Schauen und Fotografieren verbracht. Und dann der Sonnenuntergang...
Dies war der letzte Tag im Jahr 2008. Vor lauter Rumlaufen, shoppen und Toronto von oben anschauen hatten wir etwas die Zeit und vor allem die Tatsache vergessen, dass an Silvester die Läden um 18:00 schließen (sonst 24h offen). Daher mussten wir etwas improvisieren was unser Silvester-Gourmet-Menü anging. Aber auch das lies sich regeln, zum Glück haben die Chinesen wann anders Silvester ;) Den Silvesterabend haben wir dann gemütlich mit selbergemixten Cocktails in der WG von Diana verbracht.
Am 01 Januar sind wir dann alle zusammen 120km den Ontario-See entlang gefahren um die Niagara-Fälle im Winter zu erleben. Leider war das Wetter nicht ganz ideal, so dass nicht unbedingt die Traumfotos entstanden sind, aber die Größe und Macht der beiden Wasserwände an der Grenze zwischen den USA und Kanada war dennoch zu sehen. Ein bisschen schade ist außerdem, dass sowohl auf der amerikanischen als auch der kanadischen Seite rund um die Fälle ein kleines Las Vegas gebaut wurde. Eine bekannte Hotelkette reiht sich an die nächste und jede versucht noch einen besseren Aussichtsturm mit Blick auf die Fälle zu bauen. Mittendrin fällt dann das obligatorische Kasino kaum mehr auf, ganz zu schweigen von den Fällen selber.
Leider hieß es am 02. Januar schon wieder Abschied nehmen von Toronto und unsere Reise war dann nach 2000km zu Ende. Nach ein paar schönen weiteren Tagen in Montreal mit Besuch des Biodomes (kleiner Zoo), des Olympiastadions, der Insel im St. Lorenz Strom mit der Formel1-Strecke und dem Kasino war dann leider Sarahs Zeit auch schon zu Ende und ich musste sie am 06 Januar am Flughafen verabschieden.