Wer hätte das gedacht. Ich habe es auf meine letzten Tage hier tatsächlich nochmal über die Grenze zu einem osterlichen Städtetrip nach New York geschafft.
Los gings am Donnerstag abend am Busbahnhof in Montréal. Das Prinzip Busfahren funktioniert hier folgendermaßen: Man kaufe ein Ticket und komme so frühzeitig an den Busbahnhof, damit man sich in eine Schlange einreihen und hoffen kann, dass man einen Sitzplatz bekommt. Ganz so schrecklich ist es aber dann doch nicht, da die Busgesellschaften auch wissen, dass das lange Wochenende vor der Tür steht und daher einfach mal ein Vielfaches der normalen täglichen Anzahl an Bussen nach New York schicken.
Also haben Léo und Manon, zwei französischen Freunde sowie ich uns zwei Stunden vor Abfahrt um 21:00 in die ca. 150m lange kanadische Schlange (zweier Reihe ohne Drängeln !) gestellt und durften dann im zweiten Bus mitfahren. Nach einem Halt am Duty Free, einer ewig langen Prozedur an der Grenze, einem nächtlichen Zwischenstopp am unglaublich hässlichen Busbahnhof von Albany (NY) sind wir dann tatsächlich etwas müde so um halb sieben morgens in den Betonklotz-Busbahnhof von New York eingefahren. Fast schon etwas unpassend dazu war die Berieselung mit klassischer Musik. Danach einen etwas tollpatschigen müden Schritt vor die Türe, einmal um die Ecke und wir standen mitten auf dem menschenleeren Times Square. Das ist dann wie einmal in eine andere Welt eintauchen, inmitten von Wolkenkratzern und mit blinkender Werbung vollgetafelten Hochhäusern und schnell wird klar: wir sind tatsächlich da.
Karfreitag, 1. Tag
Jetzt muss es schnell gehen für angehende Städtetouristen wie uns, denn die Gunst der "menschenleeren" Morgenstunde will ausgenutzt sein. Also schnell zum Starbucks, Kaffee und spärliches Frühstück und dann mit unserem Hab und Gut bepackt die Sightseeing-Tour beginnen. Ein Blick in den Reiseführer zeigt einem die wichtigsten Dinge, die man unbedingt gesehen haben muss und so rattert man als kleiner Tourist die Liste ab: Times Square, U-Bahn, Empire State Building (um 8:30 schon eine 200m Schlange außen und das gleiche drin - als vorbeigelaufen), Wall Street, Börsenbulle..., vom BurgerKing auf den Ground Zero klotzen und durch aus allen möglichen Winkeln durch verdreckte Scheiben fotografieren und irgendwann standen wir dann schon an der Südspitze Manhattans. Den Fähranleger zur Freiheitsstatue und Ellis Island haben wir auch schnell gefunden und die geringe Menschenmenge am Kassenhäuschen gleichmal zum Kauf genutzt. Doch das wahre Tourist-Sein müssen wir noch üben, denn die eigentliche Menschenschlange zur Fähre gegen 9:30 morgends haben wir erst dann gesehen. Der Entschluss den Touristenstatus kurzzeitig aufzugeben und uns dort nicht einzureihen war dann im deutsch-französischen Gemeinschaftsabkommen schnell geklärt.
Langsam hat sich dann etwas Müdigkeit breit gemacht und ein kleiner Zwischenstopp im Minipark vor dem US Customs-Gebäude neben dem Börsenbullen, wo sich langsam die Japaner in eine Schlange einreihten um der Reihe nach ihre Herzallerliebste mit dem bronzenen Koloss zu fotografieren und andere sich eher für das Hinterteil entzücken können, war überfällig. Anschließend haben wir uns dann auch wieder unserem eigentlichen Zweck gewidmet und haben uns nach der üblichen Sicherheitskontrolle ein Indianermuseum im US Customs-Gebäude angeschaut, umsonst versteht sich. Dort habe ich dann festgestellt, dass Lacrosse Indianischer Herkunft ist und schnell ein Beweisfoto geschossen (für Alex ;) ).
Langsam haben ich dann aber doch gemerkt, dass ich die ganze Nacht in einem Greyhound-Bus saß und den Herbst und Winter eher damit verbracht habe auf weichen Moosböden oder im Schnee herumzuspatzieren anstatt den Stop&Go-Asphalt-Städte-Laufstil zu trainieren - und den beiden anderen ging es nicht besser. Daher ging es dann erstmal zum CheckIn ins Hostel nach Harlem und für ein Nickerchen ins Bett.
Abends ging es dann in Richtung Greenwich-Village um ein paar Bars unsicher zu machen, wobei die New Yorker mit ihren netten (gehobenen) Preisen sicherstellen, dass auch jeder problemlos wieder nach Hause findet. Wir wollten aber noch ganz klug sein und New York bei Nacht und ohne Anstellen vom Empire State Building aus ansehen. Der Versuch hat auch wunderbar geklappt, den Grund konnten wir dann nach passieren der Kasse und beim Betreten der Plattform aus feststellen: dichte Nebelwolken genau auf Höhe des 86. Stockwerks. Wie dumm nur dass das einem unten niemand so richtig sagt und unser Verstand auch nicht mehr so auf Hochtouren war, um bereits vor dem Gebäude über solche Dinge nachzudenken. Na ja, immerhin hat Manon kurz darauf 20$ gefunden, für sie war also der Eintritt wieder drin.
Am Samstagmorgen war in unserem Zehnbett-Zimmer schon relativ früh Gewuseln angesagt, denn der Durchschnittstourist mit wenig Zeit musste wieder auf die Jagd nach Hochhäusern, Museen und Läden gehen... Vier französische und zwei deutsche Ohren haben aber dann bereits deutliche Regengeräusche auf dem Dach vernommen, woraufhin sich sechs Augen verschlafen angeschaut und die drei Studenten aus Montréal sich einstimmig zum Weiterschlafen entschieden haben. Irgendwie wollte der Regen den ganzen Tag nicht so recht aufhören, dennoch sind wir dann auch mal aus dem Haus gekommen um uns ein bisschen in Upper East Village, dem Museen und Villenviertel im Osten vom Central Park umzusehen. Regenwetter = Museenwetter, das haben wir dann schnell gemerkt, als wir am Guggenheimer Museum oder MET vorbeigelaufen sind. Das MOMA haben wir dann gar nicht erst probiert (was ich jetzt alles nicht so furchtbar schlimm fand), die meisten anderen Touristen haben sahen das etwas anders und haben sich brav mit Regenschirmen in die Schlange gestellt. Die Regenschirme konnte man urplötzlich an jeder Ecke kaufen, abends lagen dann die meisten wieder kaputt an der Ecke wo man sie morgens erstanden hat, immer diese Einweggesellschaft. Den Verkäufer freut es.
Ostersamstag, 2. Tag
Als sich dann der Regen irgendwann gelichtet hat, sind wir weiter durch einige Viertel wie Chinatown, Little Italie, East Village, SoHo... gelaufen und haben uns von den vielen Eindrücken berieseln lassen während die Füße sich langsam wieder zum Streik vorbereitet haben. Zwischenzeitlich haben wir auch mal kurz unsere pazifistische Einstellung abgelegt und sind zu einem ehemaligen Flugzeugträger, der zum Militärmuseum umfunktioniert wurde, an den Hudson River gelaufen, doch 15$ war uns der Spaß dann doch nicht wert und somit gab es denn Koloss plus U-Boot nur von außen. War trotzdem nett. Abends wollten wir dann uns mal etwas zu den Einheimischen gesellen und sind in eine Bar nach Harlem gefahren, in der Jazz gespielt wurde. Das war wie eine kleine Welt für sich. Vorwiegend ältere Herren mit wohl karibischen Wurzeln saßen an der Bar und haben köstliche Rumgetränke genossen während eine durchaus gute Jazz-"Combo" die passende Stimmung dazu lieferte.
Am Sonntag morgen sind wir dann bereits um kurz nach 7 aus dem Hostel gegangen um endlich unsere Karte für die Fähre zur Freiheitsstatue und dem Einwanderermuseum auf Ellis Island einzulösen und nach zwei Tagen Städtetrip hatten wir auch den richtigen Riecher: Wir saßen nach 5min auf dem Schiff, umgeben von Deutschen (immer diese Disziplin). Es war ein wunderschöner Sonnentag mit blauem Himmel, aber sehr kalt und windig. Dennoch hat mich die Freiheitsstatue und der Blick auf die Skyline sehr beeindruckt. Ellis Island direkt nebenan war die Insel, auf die alle Einwanderer von den Dampfschiffen zunächst gebracht wurden. Dort gab es dann die Einwanderungsprozedur mit medizinischer Untersuchung und der Überprüfung der Identität bevor dann die meisten an Land durften, einige mussten aber auf Kosten der Reedereien wieder in ihr Ursprungsland zurückfahren. Auf dieser Insel ist mittlerweile ein Museum dazu, welches sehr interessant ist. Von der Außenanlage hat man einen atemberaubenden Blick auf Manhattan und New Jersey und dort steht auch die gigantische Tafel mit all den Namen der Einwanderer, vorausgesetzt jemand hat die Eingravierung bezahlt ;) Das gute Wetter hat uns direkt anschließend dazu bewogen nach Brooklyn zu fahren um über die vor 100 Jahren größte Hängebrücke der Welt nach Manhattan zu laufen. Schließlich haben wir dann unseren müden Füßen im Central Park ein wenig Erholung gegönnt.
Ostersonntag, 3. Tag
Für mich war anschließend der sehr gelungene Kurztrip in das Land mit den grob 50 Sternen beendet und ich habe mich abends wieder in den Betonbunker begeben um dort nach dem Zufallsprinzip den richtigen Bus nach Montréal aus einem der 200 Bussteige ausfindig zu machen, denn Anzeigetafeln gibt es irgendwie nicht und die Infostände waren alle nicht besetzt. Wie gut das Montreal so beliebt ist und man sich daher einfach mal dort umhören kann, wo bereits eine beträchtliche Menschenschlange zusammengekommen ist. Schließlich hat mich dann Michael, der generell seine Ansprachen im Bus mit "Hey Folks" begonnen hat, nach Montréal zurückgebracht. Meine zwei Freunde sind noch einen Tag länger geblieben, höchstwahrscheinlich um darauf anzustoßen, dass die Freiheitsstatue von ihren Vorfahren aus Frankreich den New Yorkern geschenkt wurde ;)
1 Kommentar:
Genial!! Mann das ruft Erinnerungen wach!! *träum*
Aber lass deine ermüdlichen deutschen Füße nicht von der Streikfreude der französischen Füße verführen!
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