Donnerstag, 16. April 2009
New York
Los gings am Donnerstag abend am Busbahnhof in Montréal. Das Prinzip Busfahren funktioniert hier folgendermaßen: Man kaufe ein Ticket und komme so frühzeitig an den Busbahnhof, damit man sich in eine Schlange einreihen und hoffen kann, dass man einen Sitzplatz bekommt. Ganz so schrecklich ist es aber dann doch nicht, da die Busgesellschaften auch wissen, dass das lange Wochenende vor der Tür steht und daher einfach mal ein Vielfaches der normalen täglichen Anzahl an Bussen nach New York schicken.
Also haben Léo und Manon, zwei französischen Freunde sowie ich uns zwei Stunden vor Abfahrt um 21:00 in die ca. 150m lange kanadische Schlange (zweier Reihe ohne Drängeln !) gestellt und durften dann im zweiten Bus mitfahren. Nach einem Halt am Duty Free, einer ewig langen Prozedur an der Grenze, einem nächtlichen Zwischenstopp am unglaublich hässlichen Busbahnhof von Albany (NY) sind wir dann tatsächlich etwas müde so um halb sieben morgens in den Betonklotz-Busbahnhof von New York eingefahren. Fast schon etwas unpassend dazu war die Berieselung mit klassischer Musik. Danach einen etwas tollpatschigen müden Schritt vor die Türe, einmal um die Ecke und wir standen mitten auf dem menschenleeren Times Square. Das ist dann wie einmal in eine andere Welt eintauchen, inmitten von Wolkenkratzern und mit blinkender Werbung vollgetafelten Hochhäusern und schnell wird klar: wir sind tatsächlich da.
Karfreitag, 1. Tag
Jetzt muss es schnell gehen für angehende Städtetouristen wie uns, denn die Gunst der "menschenleeren" Morgenstunde will ausgenutzt sein. Also schnell zum Starbucks, Kaffee und spärliches Frühstück und dann mit unserem Hab und Gut bepackt die Sightseeing-Tour beginnen. Ein Blick in den Reiseführer zeigt einem die wichtigsten Dinge, die man unbedingt gesehen haben muss und so rattert man als kleiner Tourist die Liste ab: Times Square, U-Bahn, Empire State Building (um 8:30 schon eine 200m Schlange außen und das gleiche drin - als vorbeigelaufen), Wall Street, Börsenbulle..., vom BurgerKing auf den Ground Zero klotzen und durch aus allen möglichen Winkeln durch verdreckte Scheiben fotografieren und irgendwann standen wir dann schon an der Südspitze Manhattans. Den Fähranleger zur Freiheitsstatue und Ellis Island haben wir auch schnell gefunden und die geringe Menschenmenge am Kassenhäuschen gleichmal zum Kauf genutzt. Doch das wahre Tourist-Sein müssen wir noch üben, denn die eigentliche Menschenschlange zur Fähre gegen 9:30 morgends haben wir erst dann gesehen. Der Entschluss den Touristenstatus kurzzeitig aufzugeben und uns dort nicht einzureihen war dann im deutsch-französischen Gemeinschaftsabkommen schnell geklärt.
Langsam hat sich dann etwas Müdigkeit breit gemacht und ein kleiner Zwischenstopp im Minipark vor dem US Customs-Gebäude neben dem Börsenbullen, wo sich langsam die Japaner in eine Schlange einreihten um der Reihe nach ihre Herzallerliebste mit dem bronzenen Koloss zu fotografieren und andere sich eher für das Hinterteil entzücken können, war überfällig. Anschließend haben wir uns dann auch wieder unserem eigentlichen Zweck gewidmet und haben uns nach der üblichen Sicherheitskontrolle ein Indianermuseum im US Customs-Gebäude angeschaut, umsonst versteht sich. Dort habe ich dann festgestellt, dass Lacrosse Indianischer Herkunft ist und schnell ein Beweisfoto geschossen (für Alex ;) ).
Langsam haben ich dann aber doch gemerkt, dass ich die ganze Nacht in einem Greyhound-Bus saß und den Herbst und Winter eher damit verbracht habe auf weichen Moosböden oder im Schnee herumzuspatzieren anstatt den Stop&Go-Asphalt-Städte-Laufstil zu trainieren - und den beiden anderen ging es nicht besser. Daher ging es dann erstmal zum CheckIn ins Hostel nach Harlem und für ein Nickerchen ins Bett.
Abends ging es dann in Richtung Greenwich-Village um ein paar Bars unsicher zu machen, wobei die New Yorker mit ihren netten (gehobenen) Preisen sicherstellen, dass auch jeder problemlos wieder nach Hause findet. Wir wollten aber noch ganz klug sein und New York bei Nacht und ohne Anstellen vom Empire State Building aus ansehen. Der Versuch hat auch wunderbar geklappt, den Grund konnten wir dann nach passieren der Kasse und beim Betreten der Plattform aus feststellen: dichte Nebelwolken genau auf Höhe des 86. Stockwerks. Wie dumm nur dass das einem unten niemand so richtig sagt und unser Verstand auch nicht mehr so auf Hochtouren war, um bereits vor dem Gebäude über solche Dinge nachzudenken. Na ja, immerhin hat Manon kurz darauf 20$ gefunden, für sie war also der Eintritt wieder drin.
Am Samstagmorgen war in unserem Zehnbett-Zimmer schon relativ früh Gewuseln angesagt, denn der Durchschnittstourist mit wenig Zeit musste wieder auf die Jagd nach Hochhäusern, Museen und Läden gehen... Vier französische und zwei deutsche Ohren haben aber dann bereits deutliche Regengeräusche auf dem Dach vernommen, woraufhin sich sechs Augen verschlafen angeschaut und die drei Studenten aus Montréal sich einstimmig zum Weiterschlafen entschieden haben. Irgendwie wollte der Regen den ganzen Tag nicht so recht aufhören, dennoch sind wir dann auch mal aus dem Haus gekommen um uns ein bisschen in Upper East Village, dem Museen und Villenviertel im Osten vom Central Park umzusehen. Regenwetter = Museenwetter, das haben wir dann schnell gemerkt, als wir am Guggenheimer Museum oder MET vorbeigelaufen sind. Das MOMA haben wir dann gar nicht erst probiert (was ich jetzt alles nicht so furchtbar schlimm fand), die meisten anderen Touristen haben sahen das etwas anders und haben sich brav mit Regenschirmen in die Schlange gestellt. Die Regenschirme konnte man urplötzlich an jeder Ecke kaufen, abends lagen dann die meisten wieder kaputt an der Ecke wo man sie morgens erstanden hat, immer diese Einweggesellschaft. Den Verkäufer freut es.
Ostersamstag, 2. Tag
Als sich dann der Regen irgendwann gelichtet hat, sind wir weiter durch einige Viertel wie Chinatown, Little Italie, East Village, SoHo... gelaufen und haben uns von den vielen Eindrücken berieseln lassen während die Füße sich langsam wieder zum Streik vorbereitet haben. Zwischenzeitlich haben wir auch mal kurz unsere pazifistische Einstellung abgelegt und sind zu einem ehemaligen Flugzeugträger, der zum Militärmuseum umfunktioniert wurde, an den Hudson River gelaufen, doch 15$ war uns der Spaß dann doch nicht wert und somit gab es denn Koloss plus U-Boot nur von außen. War trotzdem nett. Abends wollten wir dann uns mal etwas zu den Einheimischen gesellen und sind in eine Bar nach Harlem gefahren, in der Jazz gespielt wurde. Das war wie eine kleine Welt für sich. Vorwiegend ältere Herren mit wohl karibischen Wurzeln saßen an der Bar und haben köstliche Rumgetränke genossen während eine durchaus gute Jazz-"Combo" die passende Stimmung dazu lieferte.
Am Sonntag morgen sind wir dann bereits um kurz nach 7 aus dem Hostel gegangen um endlich unsere Karte für die Fähre zur Freiheitsstatue und dem Einwanderermuseum auf Ellis Island einzulösen und nach zwei Tagen Städtetrip hatten wir auch den richtigen Riecher: Wir saßen nach 5min auf dem Schiff, umgeben von Deutschen (immer diese Disziplin). Es war ein wunderschöner Sonnentag mit blauem Himmel, aber sehr kalt und windig. Dennoch hat mich die Freiheitsstatue und der Blick auf die Skyline sehr beeindruckt. Ellis Island direkt nebenan war die Insel, auf die alle Einwanderer von den Dampfschiffen zunächst gebracht wurden. Dort gab es dann die Einwanderungsprozedur mit medizinischer Untersuchung und der Überprüfung der Identität bevor dann die meisten an Land durften, einige mussten aber auf Kosten der Reedereien wieder in ihr Ursprungsland zurückfahren. Auf dieser Insel ist mittlerweile ein Museum dazu, welches sehr interessant ist. Von der Außenanlage hat man einen atemberaubenden Blick auf Manhattan und New Jersey und dort steht auch die gigantische Tafel mit all den Namen der Einwanderer, vorausgesetzt jemand hat die Eingravierung bezahlt ;) Das gute Wetter hat uns direkt anschließend dazu bewogen nach Brooklyn zu fahren um über die vor 100 Jahren größte Hängebrücke der Welt nach Manhattan zu laufen. Schließlich haben wir dann unseren müden Füßen im Central Park ein wenig Erholung gegönnt.
Ostersonntag, 3. Tag
Für mich war anschließend der sehr gelungene Kurztrip in das Land mit den grob 50 Sternen beendet und ich habe mich abends wieder in den Betonbunker begeben um dort nach dem Zufallsprinzip den richtigen Bus nach Montréal aus einem der 200 Bussteige ausfindig zu machen, denn Anzeigetafeln gibt es irgendwie nicht und die Infostände waren alle nicht besetzt. Wie gut das Montreal so beliebt ist und man sich daher einfach mal dort umhören kann, wo bereits eine beträchtliche Menschenschlange zusammengekommen ist. Schließlich hat mich dann Michael, der generell seine Ansprachen im Bus mit "Hey Folks" begonnen hat, nach Montréal zurückgebracht. Meine zwei Freunde sind noch einen Tag länger geblieben, höchstwahrscheinlich um darauf anzustoßen, dass die Freiheitsstatue von ihren Vorfahren aus Frankreich den New Yorkern geschenkt wurde ;)
Samstag, 21. März 2009
Skifahren
Beim ersten Mal Anfang März waren wir in einem kleinen Skigebiet im Südosten Richtung Sherbrooke. Dabei haben wir schön den ersten Frühlingsskifahrtag im Jahr erwischt mit schönem Wetter, warmen Temperaturen und etwas weichem Schnee. Aber trotzdem hat das alles sehr viel Spaß gemacht.
Eine Woche später sind wir dann zum Mont Tremblant gefahren, dem "Edelskigebiet" im Osten Kanadas, dort wo sich die Prominenz ein Hüttchen kauft zum Golf spielen und Skifahren, erreichbar durch einen eigenen Flughafen. Mont Tremblant ist dementsprechend verdammt teuer aber mit ungefähr 11 Liften das größte Skigebiet in der ganzen Region, und es geht sogar auf 900m hinauf, rekordverdächtig. Wir hatten nochmals einen sehr schönen, sonnigen Tag erwischt mit entsprechend warmen Temperaturen. Erstaunt hat mich die Tafel an den Talstationen der Lifte, dass oben über 4m Schnee liegen sollen. Entweder die Messung war nicht ganz korrekt oder unter dubiosen Umständen oder es handelt sich wohl eher um die im gesamten Winter gefallene Menge.
Um nochmals auf meinen Artikel mit den Malern zurückzukommen. Auch am Mont Tremblant sind uns mal wieder Jobs aufgefallen, die irgendwie den Beisatz "Arbeitsbeschaffungsmaßnahme" verdient hätten. Es ist ja schön, dass hier so viele Leute eine Arbeit haben, aber das macht sich eben dann auch bei den Ticketpreisen deutlich bemerkbar. An jedem Lift standen 3-4 Leute mit kleinen Handscangeräten und haben das Ticket von jedem Einzelnen abgescannt sobald er mit dem Lift fahren wollte. Ein Drehkreuz, in das der Scanner integriert ist, wäre sicherlich etwas günstiger gewesen...
Jetzt weiß auch Montréal, dass...
...die schmalste Straße der Welt in Reutlingen ist, also für Kanadier in Deutschland ;) Vorher bin ich mit der Metro heimgefahren. Auf der elektronischen Werbe- und Informationstafel in der Metro läuft auf einmal der Spruch:
"La rue la plus étroite: Spreuhausstraße, Allemagne, 31cm".
Diese "Sensation" scheint also die Runde zu machen, bis hin zu den äußerst informativen Laufschriften in der U-Bahn.
Donnerstag, 12. März 2009
Wir stellen ein!
Die Ecole Polytechnique sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt zur Unterstützung des universitätseigenen Malerteams eine/n
Malergeselle/in
Das Malerteam der Ecole Polytechnique ist neben der Beteiligung an internen Umbaumaßnahmen hauptsächlich damit betraut, das Image als saubere und gepflegt Universität aufrechtzuerhalten. Damit schaffen Sie einen Ort, an den die Leute gerne wieder kommen und mit dem sie sich identifizieren können.
Der Campus besteht im wesentlichen aus zwei großen Gebäuden, die gemäß ihrer Bauzeit innen mit zwei verschiedenen Farbmuster versehen sind. Sie sollten sowohl Umgang mit Farbtönen wie Gelb, Ocker, Grau, Weiß und ihren entsprechenden Mischungen als auch mit etwas knalligeren Farben wie Orange, Rot, Grün oder Blau haben. Neben Erfahrung in der eigentlichen Malerarbeit, sollten Sie vor allem in der Lage sein die Farben nach der geheimen PolyNorm anzumischen, so dass die neuen Farben sich harmonisch in ihre Umgebung einpassen. Des weiteren wird ein Großteil Ihrer Arbeit ein detektivisches Geschick voraussetzen. Ausgestattet mit Lupe und Fernglas ist es wichtig jeden kleinsten Kratzer an Türrahmen, Wänden oder Vitrinen aufzuspüren und zu markieren. Ihre gute Kommunikationsfähigkeit ermöglicht es anschließend, dass Sie im Team die Mängelliste abarbeiten und die entsprechenden Stellen ausbessern werden.
Gerade für Sie als Neueinsteiger im Team wird es wichtig sein, möglichst penibel diese "Fehlerlokalisierung" durchzuführen, um aus Gründen der Jobsicherung genügend Arbeit für den Tag zu haben.
Ein weiterer wichtiger Punkt ihrer Tätigkeit bei uns wird sein, die "Baustellenbereiche" ordentlich und fachgerecht abzusichern und gegenüber Mitarbeitern und Studenten kenntlich zu machen, denn es kann nicht erwartet werden, dass ein Student die von ihnen in liebevoller Kleinarbeit ausgebesserten Stellen auch als solche erkennt.
Bei Interesse Ihrerseits besteht in Anlehnung an die eigentliche Funktion einer Universität außerdem die Möglichkeit, sich in der Forschung zu betätigen. Zur Fortsetzung unserer Arbeit wird es immer wichtiger zu wissen, in wiefern sich mehrere Farbschichten übereinander auf die Stabilität und Farbtreue der Wände, Türen oder Fenster auswirken.
Wir bieten:
- einen angenehmes Arbeitsklima
- einen Job, den sie selbst krisenfest machen können
- einen sowohl bunte als auch "triste" Arbeitsumgebung
- eine Arbeitsstelle über den Dächern Montréals
- eine verantwortungsvolle Arbeit: Sie machen das Image der Uni!
Wir verlangen:
- engagiertes Arbeiten
- detektivisches Geschick
- ein Bewusstsein über die Wichtigkeit ihrer Arbeit
- die Fähigkeit sich selbstständig ihre Betätigung zu suchen
- eine Kompetenz beschäftigt auszusehen
- auf Abruf stets für die Uni bereitzustehen
[...]
So oder ähnlich könnte wohl die Stellenbeschreibung des Malers hier aussehen, zumindest würde ich die Arbeit aus meinen Beobachtungen so beschreiben [ABM?]. Ein Beitrag am Rande.
Donnerstag, 5. März 2009
Tourenskilaufen - 22.02-25.02
Nachdem wir Sonntag morgens bei Schneefall mit dem Bus über Québec zu dem Park gefahren sind, haben wir sofort unsere Skier angeschnallt und wollten das Abenteuer beginnen. Nach 200 m kam dann allerdings das Häuschen der Parkverwaltung in unser Blickfeld, so dass wir erst einmal überlegen mussten, ob wir bereit sind auf komische Fragen zu antworten und für unseren Aufenthalt zu zahlen oder doch lieber einen anderen Weg in den Park suchen sollten. Der Mitarbeiter dort kam uns aber zuvor, nachdem er uns ein paar Minuten beoachtet hat (und ihm wohl sehr klar war, was da vorging), und hat uns schließlich zu sich "bestellt". Langsam aber sicher mussten wir dann aber die Katze aus dem Sack lassen und unsere wahren Ziele offenbaren. Begeisterung hat es dabei bei dem Typ nicht unbedingt ausgelöst (denn Wintercampen draußen ist eigentlich nicht vorgesehen) und da er noch recht jung und vorsichtig war, konnten wir ihm dann eine Ewigkeit von draußen zusehen, wie er mit seinem Chef telefoniert, unsere Daten durchgeben... hat. Nachdem wir nun schon fast eine ganze Stunde am Park waren, hat der Chef uns dann eine Sondergenehmigung (letzte Minute, auf eigene Gefahr) ausgestellt und wir durften los. Die Sonne war schon fast untergegangen und somit sind wir nur noch gut 3 km zu einem nahe gelegenen Campingplatz im Park gelaufen, wo wir dann unser Nachtlager aufgeschlagen haben.
Im Haupttal des Parks verstreut sind kleine Campingplätze oder auch Hütten mit rustikalen, aber sehr sauberen, Klohäuschen. Im Winter sind eigentlich nur die Hütte zu mieten. Da wir 1-1.50m Schnee hatten, war die Aktion "Nachtlager aufschlagen" durchaus etwas komplizierter:
Zunächst haben wir zu viert mit unseren Skien versucht eine Fläche für Zelt und Essensgelegenheiten zu verdichten. Anschließend haben wir mit Schaufeln ein paar kleine Gräben ausgehoben, die immer ungefähr bis zum Bauch gingen, so dass wir Bänke und Tische zum Kochen hatten. Anschließend sind wir oft im Wald noch mit Skiern Holz holen gegangen, um später noch ein Feuer anmachen zu können. Während dessen wurde dann auch noch das Zelt aufgestellt. Irgendwann konnte man dann die Skier ausziehen und vorsichtig versuchen, auf der verdichteten Fläche zu laufen, oder bessern in den Gräben. Das ist ein bisschen wie auf einer Insel eingeschlossen sein, sobald man die verdichtete Fläche verlässt sinkt man ziemlich tief in den Schnee ein. So musste auch das stille Örtchen durchweg mit Skiern "angefahren" werden.
Da Québec (und auch dieser Park) nicht besonders bergig sind, ist Tourenskilaufen eher mit Langlaufen in Tiefschnee als mit Tourenskifahren in den Alpen zu vergleichen. Zwei von meinen drei Mitstreitern sind ziemlich geübte Langläufer, die kurz davor in zwei Tagen 160 km nach Ottawa gelaufen sind, und haben somit ein ordentliches Tempo vorgelegt. Für mich, der nicht wusste, dass es Muskeln zum Langlaufen gibt, war das dann durchaus anstrengend mit der Truppe mitzuhalten. Die unweigerliche Folge waren: Erhebliches Muskelkater und vor allem nasse Klamotten. Auch bei -10° sind wir teilweise nur im Pulli und einer dünnen Jacke gelaufen, so sehr mussten wir schwitzen.
Leider besteht allerdings kaum eine Möglichkeit, die nassen Socken, T-Shirts... wieder trocken zu bekommen, somit bestand die einzige Möglichkeit daraus, seinen Schlafsack nachts noch mit feuchten Socken (die riechen auch so gut), T-Shirts oder auch mal ein paar Innenschuhen der Skistiefel zu teilen. Gerade beim Wintercampen muss man sehr voraussichtig planen, um am nächsten Morgen nicht eine böse Überraschung zu erleben.
Am Montag morgen hat es dann noch leicht geschneit, in den darauffolgenden Tagen bekamen wir aber nur noch blauen Himmel und Sonnenschein spendiert.
Zunächst sind wir dann ungefähr 10km einer Straße entlang eines Flusses in den Park gefolgt und sind dann in einen Seitenarm des Flusstales abgebogen. Nach unserer Karte (aus dem Jahr 1968) musste in 5km eine Brücke kommen, durch die wir den Seitenfluss überqueren konnten. Nach ca. 2km war dann auf einmal der Weg gesperrt und ein Weiterkommen war eher mit sich durch die Büsche schlagen zu vergleichen. Die Mühen haben sich leider nicht gelohnt: Die Brücke war nur noch ein Fundament auf beiden Seiten ohne die eigentliche Brücke. Also sind wir teilweise wieder zurückgelaufen und haben unser Nachtlager aufgeschlagen. Dieses Mal hatten wir noch ca. 2h Licht und konnten somit ein Quincy (Schneehöhle) bauen. Ich glaube, ich habe das schon einmal beschrieben in dem Beitrag zum NewMemberWeekend im Januar. Zunächst haben wir eine Stunde Schnee aufgeschüttet und dann erstmal eine bis zwei Stunden gewartet, damit dieser Berg sich setzen kann. Anschließend haben wir ihn ausgehöhlt, so dass wir zu viert drin Schlafen konnten. Die Decke haben wir dabei besonders dünn gehalten, damit wir im Falle eines Einsturzes nicht komplett verschüttet sind. Das ganze hat dann gute 3h gedauert. Die Nacht war aber die angenehmste Nacht überhaupt. Trotz Temperaturen bei -10° oder -15° war es innen relativ warm und gemütlich.
Am Dienstag wollten wir dann unsere Quer-Feld-Ein Taktik intensivieren und auch mal Skifahren. Also haben wir fast den ganzen Tag versucht einen Hang durch den Wald hochzulaufen, um dann idealerweise über eine offene Fläche wieder abfahren zu können. Das ganze war dann doch etwas anders: Man brauchte gut 10min für 100m Strecke, den Wege gab es, waren aber nicht sichtbar. Überall umgestürzte Bäume, die hin und wieder auch mal aus dem Schnee rausschauten. Kleine Tannwäldchen mit dichtem Gestrüpp. Unüberwindbare Minifelsen... Eine Stunde vor Sonnenuntergang waren wir immer noch nicht oben, meine Kräfte schwanden deutlich und der offene Hang zum Abfahren war nicht in Sicht. Schließlich haben wir demokratisch (3:1) abgestimmt, dass wir jetzt den Rückweg antreten, um nicht komplett mit Stirnlampen wieder runterfahren zu müssen. Das Runterfahren ging dann auf dem gleichen Weg wie wir gekommen sind, doch mit Skiern, die eine ähnliche Bindung wie Langlaufski hatten, war ein normales Skifahren nicht möglich und es war sehr abenteurlich. Jeder Ast am Wegesrand war sehr nützlich um seine Geschwindigkeit zu kontrollieren. Dennoch ist jeder von uns mehrmals deutlich in den Tiefschnee abgestürzt. Dann heißt es erstmal Rucksack ausziehen und irgendwie versuchen wieder aufzustehen, Rucksack auf und weiter. Mit Stirnlampen sind wir dann schließlich wieder unten angekommen und haben in der Nähe die dritte Nacht bei -20° verbracht.
Am nächsten Tag mussten wir dann wieder zum Parkeingang zurücklaufen. Das waren so ungefähr 15km. Dort angekommen, haben meine Beine dann angefangen zu rebellieren und sich zu beschweren, dass ich ihnen drei Tage feuchte Socken, einen schweren Rucksack und unbekannte Bewegungen spendiert habe. Aber die Rache war die Tage danach noch deutlich zu spüren.